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Heraklit

„Zinssog“ aus Amerika? Was bewegt unsere Zinsen…?

13.01.2017 Allgemein Keine Kommentare

Die angekündigten Zinserhöhungen in den USA können natürlich den USD gegenüber dem Euro stärken – und auch einen Zinssog nach oben bei den Zinsen auslösen. Aber ist das wirklich wahrscheinlich?

Die angekündigten Zinserhöhungen der FED sind im Wechselkurs USD/EUR natürlich bereist eingepreist. der Markt reagiert hier sehr schnell und manchmal schon im Vorfeld. Den erhöhten Zinsen steht dort auch ein erhöhtes Wachstum gegenüber. Für ausländische Anleger bietend ei USA aber in 2017 auch ein erhöhtes – politisches – Risiko für Anlagen in Unternehmensanleihen oder Aktien. Welche Politik dort tatsächlich gelebt werden wird – und wie sich das auf die Wirtschaft auswirkt, bleibt abzuwarten.

Allenfalls bei den langfristigen Zinsen könnte in gewisser Zinssog entstehen, wir werden uns aber keine Zinswende aus den USA importieren. Die Zinserhöhungen nach der Trumpwahl haben sich teilweise wieder abgebaut. Das Zinsniveau ist aber noch deutlich höher als zur Jahresmitte 2016 und direkt vor der US-Wahl. Es gibt auch mehrere Szenarien bzw. Auslöser für niedrige Zinsen (Brexit, Wahlergebnisse in 2017). Insgesamt ist die Wahrscheinlichkeit steigender langfristiger Zinsen höher als die Chance weiter sinkender Zinsen.

Bei den kurzfristigen Zinsen wird die EZB ihre Strategie der niedrigen Zinsen vor dem Hintergrund der Staatsschuldenkrise fortsetzen. Das Thema ist alles andere als „im Griff“. Wenn jetzt auch die IWF aussteigt, dann müssen die Europäer allein die Hilfen für Griechenland verantworten. Da reden wir über neue Kredite bzw. die Streckung der Rückzahlung der bestehenden Darlehen bis in die „Unendlichkeit“. Ab 50 Jahren kann man das Ganze dann als Equity betrachten. Ein Schuldenerlass durch die Hintertür. Steigende kurzfristige Zinsen kann die Politik und die EZB da gar nicht gebrauchen. Der Markt hat das auch verstanden – der 3-Monats-Euribor ist nun weiter auf unter – 0,3% gefallen. Insbesondere vor den diesjährigen Wahlen wird niemand etwas tun, was die Euro-Staatsschuldenkrise weiter befeuern könnte.

Die Strategie der EZB der Staatsentschuldung auf dem Zins- und Inflationswege beginnt ja jetzt erst richtig zu wirken. Die Inflation steigt jetzt nach den OPEC-Beschlüssen (ohne die Ölpreise war sie auch schon vorher höher) und wir haben die Situation, dass sich Staaten zu einem Zinssatz verschulden können, der unter dem Inflationssatz liegt. Damit können sich die Staaten entschulden ohne tatsächlich Kredite tilgen zu müssen. Die Kredite werden einfach weniger Wert – auch wenn man die Zinsen auflaufen lässt.  Nur so lassen sich die Staatsschulden der Eurostaaten reduzieren ohne schmerzhafte (und Wählerschädliche) Reformen ergreifen zu müssen. So rettet an den Euro durch die Hintertür mittels aussitzen.

Wer zahlt die Zeche? Der Anleger, der privat für die Rente vorsorgende … kurz: Die Wohlhabenderen! Nun muss man auch zugeben, dass z. B. in Italien die Privatvermögens ehr hoch sind – nur der Saat wurde viele Jahre von den Wohlhabenden durch Steuervermeidung ausgenommen. Auch daher rühren die Staatsschulden. Wenn jetzt deren Sparguthaben zu Gunsten der Staatschulden entwertet werden ist dies in gewissem Umfang vertretbar. Allerdings trifft es auch viele Kleineanleger, die wegen der kleinen Anlagebeträge kaum in Sachwerte investieren (können/wollen).

Die Frage bleibt, ob die Politiker (die die Situation natürlich kennen) und die EZB diese Strategie lang genug durchhält.

 

 

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Dr. Michael Piontek