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Heraklit

Wohin schleichen die Zinsen? Ein Update…

31.10.2016 Allgemein Keine Kommentare

Wie bereits in einem früheren Beitrag ausgeführt, gibt es mehrere Parameter, die auf stabile bis leicht steigende langfristige Zinsen hindeuten können.

Die Inflation ist durch den OPEC Beschluss etwas angeschoben worden und wird wohl nächste Jahr die 1 % erreichen. Der Ölpreis stieg auf über 50 USD (Brent) und ist auch dort geblieben. Die FED wird wohl in den nächsten 6 Monaten die Zinsen anheben – wenn auch insgesamt im Jahr 2016 deutlich geringer rund später als am Jahresanfang diskutiert. Das Wirtschaftswachstum in der EU ist stabil. Das alles kann die EZB als Erfolg ihrer Politik missdeuten…

Bei den kurzfristigen Zinsen ist zu beachten, dass die EZB noch erklären muss, ob sie das Ankaufsprogramm verlängert – und zu welchen Rahmendaten und Umfang. Natürlich wird die EZB jede Verunsicherung der Märkte vermeiden. Daher ist auch mittelfristig noch nicht mit steigenden kurzfristigen Zinsen zu rechnen. Die Probleme auf dieser Front (Staatsschuldenkrise) sind auch bei Weitem noch nicht gelöst – das Thema scheint immer wieder wie ein Bumerang zurück zu kommen.

Da die EZB die langfristigen Zinsen weniger beeinflussen kann als die kurzfristigen Zinsen, sind die langfristigen Zinsen also eher der Markterwartung unterworfen. Hier mehren sich die Anzeichen einer gestiegenen Erwartung – vielleicht um weitere 0,2% in den nächsten 12 Monaten.

Es wird also wohl zu der – von den Banken herbeigesehnten – Versteilung der Zinsstrukturkurve kommen. Das Stellt uns je nach Ausgangssituation vor verschiedene Herausforderungen:

  • Wer jetzt konkret zinssichern kann und möchte sollte dies tun.
  • Wer bereist hoch zinsgesichert ist muss jetzt abwägen, ob sich Forward-Zinssicherungen auf zukünftig auslaufende Zinssicherungen lohnen. Die Forward-Aufschläge sind aufgrund der niedrigen kurzfristigen Zinsen sehr hoch – daher kann es sich lohnen noch zu zuwarten und den Abbau der Forwardaufschläge durch Zeitablauf mit dem Anstieg der langfristigen Zinsen zu vergleichen.
  • Für die Auflösung von bestehenden Zinssicherungspositionen und eine Neueindeckung gilt das Gleiche wie zum zweiten Bullet-Point. Hier zahlt man zusätzlich eine doppelte Marge der Bank im SWAP in der parallel laufenden Zeitschiene.

Welche Art der Zinssicherung man ergreift hängt wiederum von der Zinserwartung ab. Wenn Sie von stabil niedrigen kurzfristigen Zinssätzen ausgehen, dann sollten Sie Zins-Caps wählen. Wenn Sie die langfristigen Zinssätze als zukünftigen Erwartungswert kurzfristiger Zinsen (bereinigt um Liquiditätseffekte) betrachten, dann sollten Sie einen Zins-Swap wählen. Und – für eine bestimmten Leser – wenn Sie weiterhin an japanische Verhältnisse glauben, dann sollten Sie nichts tun 😉 Es bleibt festzuhalten, dass jede Zinssicherung der letzten 6 Jahre eigentlich ineffektiv war – die variablen Zinsen sind gefallen. Aber: Zinssicherungen sichern den Refinanzierungszins ab und geben konservativen Anlegern Sicherheit.

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