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Heraklit

Wohin „schleichen“ die Zinsen? Auch nach oben?

12.10.2016 Allgemein,Finance Keine Kommentare

Wie bereits in früheren Beiträgen ausgeführt beeinflussen viele Faktoren die Zinsentwicklung im Euroland – einige halte ich aber für entscheidender als andere.

  • Der Ölpreis sorgt für niedrige Inflationsraten die die EZB zu immer neuen zinssenkenden Maßnahmen verleiteten.
  • Die FED-Zinserhöhungen sehe ich zuerst als ein Einfluss für den Wechselkurs EUR/USD und nicht als direkten Einfluss auf unser Zinsniveau.
  • Psychologie hat einen hohen Einfluss auf das langfristige Zinsniveau.

Man muss auch klar zwischen den kurzfristigen Zinsen und den langfristigen Zinsen unterscheiden. In meinem Verständnis spiegeln sich in den langfristigen Zinsen (beeinflusst von weiteren Faktoren) u. a. die erwarteten kurzfristigen Zinsen der Zukunft wider.

Was bedeutet dies konkret?

 

Wie am 30.09.2016 ausgeführt hat sich OPEC auf eine Produktionsgrenze geeinigt. Ob sich die anderen Produzenten daran halten und ob bei sinkender Nachfrage tatsächlich eine Verknappung entsteht bleibt abzuwarten. De Ankündigung hat aber ausgereicht, dass der Preis für das Fass Brent-Öl auf über 50 USD gestiegen ist und dort auch verharrt. In der Folge hat sich der Inflationsswap (5 Jahre in 5 Jahre) etwas erhöht und wird weiter steigend erwartet. Das könnet die EZB als Erfolg ihrer Politik missdeuten 😉

Die kurzfristigen Zinsen sind nicht gestiegen sondern haben sich weiter sehr leicht abgeschwächt. U. a. die noch nicht gelöste Staatsschuldenkrise wird dafür sorgen, dass die EZB die kurzfristigen Zinsen erst einmal nicht erhöht. ich gehe von einer Verlängerung des Anleihenankaufprogramms über März 2017 hinaus aus.

Die langfristigen Zinsen haben etwas angezogen – es bleibt aber abzuwarten, ob sich der Trend fortsetzt. Der Markt scheint einen Steigerung des Zinsniveaus in der Zukunft (in mehreren Jahren) für wahrscheinlicher zu halten. Daher steigt der langfristige Zins auch aus psychologischen Gründen.

In der Folge tritt die (von mir bereist angekündigte) Versteilung der Zinskurve ein. das könnte auch den Banken helfen, da sie damit wieder Geld verdienen könnten.

Wenn die EZB die kurzfristigen Zinsen niedrig hält und die langfristigen Zinsen etwas anziehen, könnte sich auch der Druck der Banken und ggf. später der Regierungen (wegen der Bankenkrise) abschwächen.

In dieser Logik müssten die gestiegenen langfristigen Zinsen später wieder zurückkommen, sofern die EZB bis dahin nicht tatsächlich eine Straffung der Geldpolitik eingeleitet hat.  Wann dies ist obliegt wiederum der Marktpsychologie.

Was bedeutet das konkret:

Die kurzfristigen Zinsen bleiben vorerst niedrig und die Wahrscheinlichkeit eines leichten Absinkens ist höher als das Risiko eines Anstieges.

Die langfristigen Zinsen ziehen etwas an – dass kann aber auch nur vorübergehender Natur sein. Das bleibt abzuwarten.

Praxistipp: Wenn Sie aktuell ein Zinssicherungsbedürfnis (ungesicherte Kreditlinien die zu sichern wären) haben könnten Sie jetzt langfristig eindecken. Wen Sie erst in einigen Jahren Zinssicherungsausläufe haben stellt sich die Frage nach einem Forward-Swap. Hier wirken die negativen kurzfristigen Zinsen leider sehr preiserhöhend – d. h. dass Aufgeld für die Forwardlaufzeit ist sehr hoch. Hier könnte es sich lohnen noch abzuwarten und dem tatsächlichen Auslauf noch etwas näher zu kommen um Forwardaufschlagkosten zu sparen. Das rechtfertigt auch ein gewisses weiteres Ansteigen der Swap-Preise bis zum Anpassungstermin.

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