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Heraklit

Wirtschaftliche Fundamentaldaten Europa zur Zinsentwicklung

23.04.2018 Allgemein Keine Kommentare

Wohin entwickeln sich die Zinsen? Wenn die Zinsen steigen – wie schnell und wie hoch? Fragen die derzeit nur schwer zu beantworten sind.

Erst einmal die positiven Nachrichten: Nach Schätzungen der EU-Kommission und Eurostat-Daten wird das Wirtschaftswachstum in den Eurostaaten bis 2019 sehr stark und stabil sein. Auch die Problemstaaten Griechenland, Portgual und Spanien sind bei bzw. über 2% pro Jahr.

Bei den jährlichen Haushaltsdefiziten ist das Bild schon unterschiedlicher. Bei den großen Wirtschaftsnationen liegt Deutschland mit rd. + 1,0% deutlich vorn. Die Mehrzahl der Länder liegen im Minus bzw. unter den deutschen Wert.

Im Ergebnis sinken aber die Staatsschulden im Verhältnis zum BIP auf breiter Front. Lediglich bei Frankreich als große Wirtschaftsmacht bleiben die Schulden stabil, was auch am außerordentlich hohen jährlichen Defizit von bis zu 3% p.a. bei nur rd. 2% Wachstum liegt.

Die Inflation wird wird sich bis 2019 zwischen 1,4% und 1,6% in der Eurozone bewegen, die gesamte EU etwas höher.

Die Kombination aus sinkenden Staatsschulden bei einer Inflation von bis 1,6% (dies entspricht noch nicht dem Zielwert der EZB, geht aber in die „richtige“ Richtung) wird der EZB das Auslaufen des Anleiheankaufsprogrammes ermöglichen. Ggf. könnte auch der negative Anlagezins der EZB verbessert werden, da die Begründung, dass die Wirtschaft mit mehr Kredite versorgt werden sollte, bei den Wirtschaftswachstumszahlen wohl als redundant einzuschätzen sein dürfte.

Die Hauhaltsdefizite zeigen die Kehrseite der negativen Zinsen – nämlich, dass die Reformbemühungen der Staaten bei zu niedrigen Zinsen erlahmen. Hier würde ein Umsteuern der EZB vielleicht „befruchtend“ wirken.

Zu beachten ist allerdings, ob sich ein möglicher Handelskrieg insgesamt negativ auf die vorgenannten Parameter (z. B. Wirtschaftswachstum) auswirkt.

Ich gehe daher weiterhin davon aus, dass die EZB das Anleiheankaufsprogramm 2018 auslaufen lassen und in 2019 die Straffung der Geldpolitik fortschreiten wird. Ob bis zum Ausscheiden von Herrn Draghi im Oktober 2019 noch eine Zinsanhebung erfolgen wird bleibt abzuwarten, ist aber möglich.

Der Markt wird diese Entwicklung ab Mitte 2018 „einpreisen“. Die Zinsentwicklung wird aber nicht dynamisch sondern in einem Aufwärtskorridor erfolgen. Ich erwarte plus 1% am langen Ende bis Ende 2019.

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