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Wie reagieren die Banken bei Neukreditanfragen auf die aktuelle Marktsituation im Wettbewerbsumfeld? Impressionen der GRI in Frankfurt von dieser Woche…

12.05.2016 Allgemein Keine Kommentare

Banken wollen Neukreditgeschäft. Sie brauchen dies um ihre Marktposition zu verteidigen oder auszubauen – und auch um zumindest etwas Gewinn bzw. Deckungsbeitrag zu erwirtschaften. Trotz aller Beschwerden scheint auch bei Niedrigmargen doch noch Ertrag übrig zu bleiben. Ob es vielleicht vernünftiger wäre auch mal eine Pause einzulegen anstatt jetzt für viele Jahre Kreditgeschäft zu Niedrigmargen in die Bücher zu nehmen, scheint daher kein Diskussionsgrundlage bei den Banken zu sein.

Die Banken verdienen derzeit vor allem durch die Auflösung von Risikorückstellungen der Vergangenheit – und preisen bei Neugeschäften keine Risikokosten ein. Außerdem werden vereinnahmte Vorfälligkeitsentschädigungen von einigen Banken direkt ergebniserhöhend in die G+V gebucht, dass schönt das Ertragsbild etwas.

Auf der GRI wurde im Gegensatz zum Vorjahr auch von einigen wenigen Banken zugegeben,

– dass man zwar höhere Margen anstrebt – aber dennoch bei Wettbewerb auch nach unten mitbietet,
– dass man auch bereit ist im Einzelfall auf Covenants zu verzichten – auch um ggf. bei der Marge nicht weiter nachgeben zu müssen,
– dass man bereit ist auf den Zinsfloor für den 3-Monats-Euribor zu verzichten, d. h. den negativen Einstand auch an die Kunden weiterzugeben (diese Einsicht ist nunmehr im Rahmen der aktuellen Marktsituation – ggf. auch wettbewerblich zwangsweise – gewachsen).

Die „Alamo-Linie“ liegt für die Banken derzeit dort, wo der Gesamtzins inkl. Marge ins Negative rutschen könnte. Dazu sind die Banken derzeit noch nicht bereit und vereinbaren an diesem Punkt derzeit eine „Nulllinie“. Diese sollten Kunden aber nur akzeptieren, wenn dafür keine Exit-Fee im Kreditvertrag vereinbart wird. Der Kunde muss die Möglichkeit haben im Falle, dass diese Situation tatsächlich eintritt, vor dem Hintergrund der dann gültige Markt- und Wettbewerbssituation dann ggf. die Finanzierung zu einer Bank ohne diesen Floor verlegen zu können. Ich gehe davon aus, dass im Ernstfall diese „Alamo-Line“ dann auch fallen wird – sobald die Banken sich der Situation im Wettbewerb stellen müssen. Die vorgeschobenen rechtlichen Themen sind m. E. nicht schlagend, da beim Gegenmodell der Sichteinlage negative Zinsen oder Kosten für die Banken mittlerweile auch kein Problem mehr darstellen.

Für die Bankkunden bleibt es aber weiterhin spannend auch die Bankenbonitäten im Auge zu behalten – insbesondere bei den Swap-Geschäften. Banken mussten jetzt ihre eigene Abwicklung strukturieren und bei der EZB hinterlegen – damit ist eigentlich keine Bank mehr Strukturrelevant. Daran muss sich dann auch im Ernstfall die Politik halten. Ein Bankenausfall dort kann zu einem schnellen Settlement führen. Der negative Marktwert müsste dann schnell angeschafft werden.

Fazit: Der Bankenwettbewerb um die Kunden wird auch weiter über Niedrigstmargen geführt. Ergänzend werden dann auch Zugeständnisse bei den Covenants gemacht. Dadurch verschaffen sich die Banken auch Vorteile gegenüber Kapitalmarktprodukten (wie z. B. Schuldscheindarlehen), die zwar auch günstig sind – aber nicht mit Niedrigstmargen oder Covenantverzichten aufwarten können. Sobald die Banken aber die Margen wieder anziehen sollten werden die Kapitalmarktfinanzierungen sofort wieder an Marktanteil gewinnen. Hier bleibt abzuwarten, wie Basel 4 etc. die Margen beeinflussen werden – können die Banken dann noch gegenhalten?

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Dr. Michael Piontek