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Heraklit

Was wäre wenn … der Euro in 2017 zu Ende ginge?

05.01.2017 Allgemein Keine Kommentare

Vorausgeschickt: Die EZB und die europäischen Politiker werden alles erdenkliche tun, um den Euro zu retten bzw. zumindest weiter am Leben zu erhalten. Auch wenn inzwischen auch den meisten Politikern klar ist, dass die schnelle Einführung ohne einheitliche Finanz- und Wirtschaftspolitik sowie die Aufnahme chronisch schwacher und schlecht organisierter Staaten ein Fehler war – den Euro jetzt abzuschaffen, dafür will keiner verantwortlich sein. Dazu erscheinen die Folgen zu unberechenbar – für alle Staaten. Ob vielleicht ein Austritt / Ausschluss (beides ist gar nicht vorgesehen) einzelner Staaten verkraftbar wäre – oder es zu einem Dominoeffekt führen würde – ist auch nicht sicher zu beantworten. Ggf. wäre eine Konzentration auf weniger aber starke Staaten eine Lösung – wenn diese sich einer strengeren einheitlichen Finanz- und Wirtschaftspolitik unterwerfen. Natürlich würden bei einem Austritt z. B. Griechenlands die Targetsalden verloren – das wäre der Preis, den alle anderen Länder tragen müssten. Aber wer wäre der nächste? Portugal, Spanien – vielleicht auch Italien und Frankreich? Das wäre wohl das Ende des Euro auf Raten – und auf Kosten der letzten Eurostaaten.

Doch was ist, wenn die bisher so geordnete Politik das nicht entscheidet? Wenn in Italien und Frankreich eurokritische Regierungen an die macht kommen? Wenn Erpressungen ala Griechenland (Schuldenerlass oder wir sind Zahlungsunfähig und treten aus) dann die Mode werden oder die Staaten gleich austreten wollen? Wenn die eurokritischen Politiker das System nicht weiter finanzieren wollen.

Es gibt mehrere Szenarien der Entwicklung: Eine Rückkehr zur Nationalwährungen oder eine Aufteilung in einen „Nordo“ und „Südo“.

Was wäre, wenn es den Euro nicht mehr geben würde? Unsicherheit und sicherlich eine Flucht in Staatsanleihen der starken Staaten – auch Deutschland. In der Folge würde die DM-Neu oder der Nordo im Wert steigen. Die Nachfrage nach Staatspapieren würde die Rendite sinken lassen – und damit zu einem sinkenden Zinsniveau führen. So weit – so einfach.

Allerdings würde die starke Währung die Exporte der Staaten stark belasten. Insbesondere das exportlastige Deutschland würde leiden. Das Wirtschaftswachstum würde zurückgehen, die Wirtschaftsleistung in den ersten Jahren sicherlich sogar schrumpfen. Die Arbeitslosigkeit würde steigen – Produktionskapazitäten ins Ausland verlagert.

Die schwächeren Staaten würden mit ihrer Währung oder dem Südo abwerten. Damit wären Exporte von dort günstiger. Die Staaten haben aber derzeit nur geringen Exportkapazitäten bzw. -wirtschaften. Ob und wie schnell sich das aufbauen kann bliebe abzuwarten. Ggf. würden Produktionsstandorte aus den Nordo-Staaten in den Südo-Staaten entstehen. Die Südo-Staaten würden als Export-Abnehmer für die Nordo-Staaten ausfallen. Wie uns im welchem Umfang neue Staatschulden in den schwachen Staaten aufgenommen werden könnten wäre auch unsicher.

Und bei uns? Über die ausgefallenen Targetsalden bezahlen wir für die Exportüberschüsse der vergangenen Jahre. Die Wirtschaftsleistung wird zurückgehen. Solange Deutschland noch als starker Staat gilt, kann sich Deutschland gut und günstig extern finanzieren. Kurz- bis mittelfristig wird dies hoffentlich – bei international höheren Zinsen – dazu führen, dass die Währung wieder etwas abwertet, auch um die Wirtschaft zu stabilisieren. Wie lange diese Übergangszeit dauern wird, und was uns der spaß kosten wird, bleibt abzuwarten.

Fazit: Ich gehe bei einem Scheitern des Euro für Deutschland erst einmal von weiter niedrigen Zinsen aus – aber mit erheblichen Belastungen und Risiken für unsere gesamte Volkswirtschaft. Dies macht es umso schwerer, die Konsequenzen wirklich abzuschätzen.

 

 

 

 

 

 

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Dr. Michael Piontek