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Heraklit

Stabilisierung der langfristigen Zinsen durch Reduzierung der globalen Unsicherheiten?

31.10.2019 Allgemein Keine Kommentare

Die letzten Jahren waren wirtschaftlich stark von der Unsicherheit über den Brexit sowie die möglichen (und dann auch eintretenden) Einflüsse des Handelsströme zwischen den USA und China geprägt. Die Unsicherheit hat zu wirtschaftliche Bremsspuren geführt und in der Folge auch dafür gesorgt, dass die Zinspolitik der Zentralbanken weiter auf niedrige Zinsen setzen.

Die Zentralbanken steuern die kurzfristigen Zinsen durch Leitzinsen und Liquiditätsmaßnahmen. Die langfristigen Zinsen können durch Anleihekäufe beeinflusst werden – sind aber mehr dem Marktgeschehen unterworfen. Auch die langfristigen Zinsen waren zuletzt sehr deutlich auf neue Tiefststände gefallen: Ein Ausdruck dafür, dass man auch langfristig mit niedrigen Zinsen rechnete – im Umkehrschluss auch mit einer schwachen (ggf. rezessiven) Wirtschaft.

Nun lässt sich erkennen, dass seitdem sich der Handelsstreit USA-China zu entspannen scheint und Boris Johnson als britischer Premier Ende August bei Bundeskanzlerin Merkel in Verhandlungen einstieg – Also die Unsicherheiten bei den beiden großen wirtschaftlichen Themen geringer wurden – die langfristigen Zinsen nicht nur ihrem Verfall stoppten sondern auch wieder moderat anstiegen.

Wie ich bereits mehrfach ausführte belasten Unsicherheit die Wirtschaft mehr als tatsächlich feststehende – auch negative – Entwicklungen. So würde auch ein No-Deal-Brexit tendenziell positiv wirken, da er die Unsicherheit beendet und sich alle Teilnehmer an der Wirtschaft darauf einstellen könnten.

Nun bleibt abzuwarten, ob wir im Dezember (Vor Inkrafttreten weiterer Zölle der USA) eine weitere Einigung im Handelsstreit bekommen. Und wie die Wahl in UK ausgeht: Wird UK die EU Ende Januar zuverlässig verlassen? Oder gibt es gar ein neues Referendum? Durch die letzte Abstimmungserfolge Johnsons scheint aber der Markt das Zutrauen zu haben, dass trotz der aktuellen Verschiebung des Austrittsdatums eine Beendigung des schwebenden Zustands bald erfolgen wird, ggf. sogar mitweinen Deal – aber zur Not auch ohne.

Natürlich beeinflussen auch andere Themen die Wirtschaft und Zinslandschaft – aber die Themen Brexit und Handelsstreit scheinen einen erhöhten Einfluss auszuüben.

Die skizzierte Beruhigung könnte dazu führen, dass die langfristigen Zinsen stabiler werden. Auch bleibt abzuwarten wie die neue EZB-Präsidentin reagiert. Wartet sie erst einmal ab bevor sie die neuen Anleihenankäufe startet? Die Inflation wird im Oktober / November noch schwach sein – auch weil der Ölpreis heute Mit rd. 60 USD / Barrel deutlich unter dem Vorjahreswert von fast 75 USD liegt. Das führt zu deutlichen inflationssenkenden Effekten. Der Effekt wird sich aber im Dezember voraussichtlich umkehren. Dann würde ein Preis von 60 USD / Barrel deutlich über dem Vorjahreswert von 53 USD am 28.12.2018 liegen. Dies würde dann zu einem deutlich höheren Inflationsausweis führen. Es bleibt abzuwarten, wie Frau Lagarde dann mit dieser Information umgeht.

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Dr. Michael Piontek