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OPEC-Einigung als Zinsrisiko?

30.09.2016 Allgemein,Finance Keine Kommentare

Die OPEC hat sich überraschend auf eine Begrenzung bzw. leichte Absenkung der Ölproduktion geeinigt. Ziel ist es den Ölpreis zu stabilisieren. Da sich der Ölpreis (Brent) seit Anfang April zwischen 40 USD und leicht über 50 USD bewegt scheint eine Stabilisierung oberhalb von 50 USD das Ziel zu sein.

Die OPEC deckt derzeit leicht über 42% der weltweiten Ölproduktion ab. Dieser Wert soll bis 2035 auf über 50% steigen, da Iran, Irak und andere Staaten die Produktion weiter steigern werden. Dennoch müssen noch andere Staaten wie Russland erst noch „mitspielen“, wenn die Produktionsbeschränkung wirken soll. Da Russland bereits seit einiger Zeit versucht sich der OPEC zu nähern, könnte eine einvernehmliche Absprache möglich sein – auch wenn Russland die Einnahmen aus der Ölproduktion dringend benötigt.

Allerdings muss die überraschende Einigung der OPEC auch erst noch mit Leben gefüllt werden. Wer verzichtet innerhalb der OPEC auf wieviel Produktion und damit Mrd. an USD? Ob diese Frage die wackelige Einigkeit zwischen dem Iran und Saudi-Arabien übersteht bleibt abzuwarten. Vom bankrotten Venezuela brauchen wir gar nicht zu sprechen.

Außerdem sind weitere Player auf dem Markt: Z. B. USA, Kanada und China. Ob diese mitmachen oder in die Lücke stoßen bleibt abzuwarten. Besonders die USA sind zu beachten – schließlich gibt es dort noch die Fracking-Industrie. Bei steigenden Preise wird diese Produktion wieder interessant.

Was bedeuten steigende ÖL-Preise für uns – abseits der Benzin- und Heizölpreise?

Die geringen Ölpreise waren bisher wichtiger Einflussfaktor für die niedrige Inflation. Wird dies im Umkehrschluss bei steigendem Ölpreis ebenfalls ansteigen?

Nach dem logischen Modell könnte der Ölpreis die Inflation etwas antreiben. Diese steigende Inflation könnte wiederum von der EZB als Erfolg ihrer Niedrigzinspolitik fehlgedeutet werden. Dann könnte die EZB eine Kehrtwende moderat einleiten. Allerdings sind alle anderen Probleme der Eurozone (u. a. Staatsschuldenkrise) nicht gelöst. Bei der Staatsschuldenkrisen scheint die Annahme zu stimmen, dass die Sanierungs- bzw. Reformbemühungen in gleichem Maße erlahmen, wie sich die Haushaltslage durch niedrige Zinsen verbessert. Das spricht wiederum nicht für steigende Zinsen.

Es bleibt abzuwarten,

  • ob sich alle Player wirklich auf Produktionseinschränkungen einigen und dies auch umsetzen,
  • ob der Ölpreis dadurch wirklich nachhaltig steigt (heute wieder unter 50 USD; die nachfrage nach Öl sinkt global),
  • ob sich dadurch die Inflation erhöht.

Die FED überraschte diese Woche mit der Überlegung Unternehmensanleihen zu kaufen – also dem Beispiel der EZB zu folgen. Das spricht nicht für steigende Zinsen in den USA. Überhaupt muss die FED bedenken, dass eine Zinserhöhung zu einer Aufwertung des USD führen würde und dann die Exporte der US-Wirtschaft erschweren würde. Ich gehe davon aus, dass aus diesem Grund die FED trotz angeblich positiver Arbeitsmarktdaten so zögerlich reagiert. Es scheint eine Übereinstimmung zwischen FED, EZB und Bank of Japan über die einzusetzenden Instrumente zur Liquiditätsbereitstellung zu geben: Niedrige Zinssätze, Staatsanleihekäufe, Unternehmensanleihekäufe und zuletzt Aktienkäufe (BoJ).

Es scheint also noch recht unsicher, ob der Ölpreis tatsächlich steigen wird und der Ölpreis dann einen Einfluss auf die Zinsen heute oder in näherer Zukunft ausüben könnte. Dies alles bleibt abzuwarten. Für eine echte Zinswende müssen auch andere Probleme (insbesondere die Staatsschuldenkrise) signifikante Zeichen der Verbesserung zeigen.

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