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Heraklit

Nach der FED-Entscheidung … wie geht es weiter?

18.09.2015 Finance Keine Kommentare

Die FED hat, wie von der Mehrheit der Marktteilnehmern erwartet – die Zinsen nicht angehoben. Nur 30% der in einer Umfrage befragten Marktteilnehmern war von einer Erhöhung zum jetzigen Zeitpunkt ausgegangen. Doch wie geht es jetzt weiter? Was bedeutet die Entscheidung?

Die Zurückhaltung der FED zeigt zum einen, dass die wirtschaftliche Entwicklung in den USA nicht so dynamisch ist, wie wir vielleicht glauben. Auch scheint die Eintrübung in China auf die Entscheidung gewirkt zu haben. Zum anderen wird klar, dass die FED die Märkte nicht überraschen will – daher kann man davon ausgehen, dass wir eine drohende Zinserhöhung rechtzeitig erkennen werden.

Da Frau Yellen auch keinerlei Andeutung für eine kommende Erhöhung gemacht hat, ist die Guidance für eine Zinserhöhung sogar schwächer geworden.

Die ggf. tendenzielle Schwäche der USA sowie Chinas werden eher für niedrige Zinssätze sorgen.

Daher sehe ich auf absehbare Zeit keine – zumindest unerwartete – Zinserhöhung aus den USA. Wenn diese einmal kommen sollte (eher 2016 als noch 2015) würde sie sich wohl auch eher im Wechselkurs EUR/USD als im europäischen Zinsniveau niederschlagen.

Rein auf Euroland gesehen bleibt es dabei, dass die niedrige Inflation (weiter weit vom EZB-Ziel entfernt) dafür sorgen wird, dass die EBZ die Märkte weiterhin mit günstiger Liquidität fluten wird. Ggf. werden auch weitere Instrumente eingesetzt. Zinserhöhungen sind auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Dies führt zu weiterhin niedrigen Zinssätzen in Euroland. Vor allem die kurzfristigen Zinsen werden sehr stark von der EZB gesteuert. Bei den langfristigen Zinsen wirken die Marktkräfte mehr – allerdings wird die Zinsstrukturkurve auch von den in weiterer Zukunft verschobenen Zinsanhebungen beeinflusst.

Die kfr. Zinsen werden daher wohl weiter niedrig bleiben und eher noch nachgeben als steigen. Die längerfristigen Zinsen werden eher rund um das aktuelle Niveau herum verharren – aber wohl nicht mehr auf das „all-time-low“ von April zurückkommen.

Spannend bleibt das Thema Inflation in Euroland bzw. Deutschland. Die EZB steuert allein mit Blick auf den europäischen Inflationswert. Da dieser so niedrig verharrt, weitet die EZB die Geldmenge massiv aus (wenn auch noch nicht alte Höchststände erreicht sind), Wenn die Inflation mal ins Laufen kommen sollte, besteht für Deutschland die Gefahr eines stärkeren Anstiegs, da bei uns die wirtschaftlichen Rahmendaten auch ein höheres Inflations- und Zinsniveau vertragen (bzw. zu DM-Zeiten ausgelöst hätten). Wenn die Inflation also nachhaltig zu steigen beginnt, würde die EZB erst Gegenmaßnahmen ergreifen, wenn im europäischen Durchschnitt die Inflation über 2% zu steigen droht. Das kann bedeuten, dass in Deutschland eine höhere Inflation erreicht wird, da in schwächeren Ländern die Inflation langsamer steigen würde. Die Maßnahmen der EZB bergen daher für Deutschland ein höheres Risiko als für andere Eurostaaten. In diesem Szenario würde die Inflation deutlich über dem Zinsniveau liegen, also die Entwertung der zinsgebundenen Anlagen sich galoppierend erhöhen.

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Dr. Michael Piontek