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Heraklit

Financial Risk Management: Bank-Kontrahentenrisiken in Zeiten der Bankenkrise

27.05.2015 Management,Real Estate Keine Kommentare

Das Risikomanagement eines Immobilienunternehmens kennt viele Sphären, die zu ungeplanten Abweichungen vom Businessplan oder sogar ernsteren Problemen führen können, z. B.:

•    Markt-, Inflations-. Kosten-, steuerliche und gesetzgeberische Risiken, die auf die Mieteinnahmen, die Immobilienwerte, Zinsergebnisse, Bilanzverhältnisse und im Ergebnis auch auf die Liquidität wirken können,
•    interne Risiken wie Fraud, Compliance, Personal (Ausfall und Kompetenzrisiken) oder IT-Risiken (Ausfall, Sicherheit etc.)
•    Kontrahentenrisken von Mietern (Mietausfall), Dienstleistern, Baufirmen (Bonität – auch im Verhältnis zum beauftragten Volumen), Klumpenrisiken in verschiedenen Bereichen aber von Banken.

Gerade Kontrahentenrisiken bei Banken wurden bisher eher sporadisch betrachtet. Dabei vergeht kaum ein Tag, an dem uns negative Informationen über den Bankensektor insgesamt bzw. einzelne Institute erreichen. Zuletzt die große und deutliche Herabstufungsaktion von Fitch, der die anderen Ratingagenturen sicherlich folgen werden. Dies liegt in erster Linie an einer „Bankengläubigkeit“, die trotz der Skandale noch immer besteht.  Zum einen glauben wir noch immer, dass Kunden bei Bankpleiten letztendlich nicht geschädigt werden. Dies mag für Privatkunden weiterhin gelten (zur Not gilt die Deckungszusage der Bundeskanzlerin)  – aber gilt dies auch für Firmenkunden?

Es ist sicherlich richtig, dass die Banken selbst noch erhebliche Bonität aufweisen und die Sicherungssysteme andere Banken ggf. zum Nachschuss verpflichten. Wenn aber eine neue Bankenkrise käme wäre dieser Nachschuss ggf. gar nicht leistbar. Und wie wir bei dem Heta-Ausfall gesehen haben hat dieser immerhin dazu geführt, dass ein Düsseldorfer Hypothekenbank Pleite war und andere Institute deutliche Belastungen aufzuweisen hatten. Z. B. war bei der PBB war ein Großteil des Gewinns weg.

Dann schaut ein mittelständische Unternehmen auf sein Geschäft und fragt: Wo könnte es mich denn wirklich treffen? Bei meinem übersichtlichen Portfolio?

Nun, die Anlagebeträge mögen im Bereich einiger Millionen Euro bis zu 500 Mio. Euro nicht wirklich ausfallgefährdet sein. Darüber wäre ich schon vorsichtiger und würde die Anlage nicht nur auf verschiedene Banken sondern auch auf verschiedene Bankensicherungssysteme streuen. Und wenn eine Bank „Pleite“ geht – wenn ich dort ein Darlehen habe juckt es mich nicht? Vielleicht weit gefehlt, wenn der Abwickler die Darlehen plötzlich eng führt und eine Ablösung erzwingen will.

Aber ein Bankenkontrahentenrisiko äußert sich praktisch auf anderem Gebiet:
•    Die Swaps werden ggf. fällig gestellt. Alle Swap-Kontrakte enthalten eine einseitige Break-Clause für die Bank die zieht, wenn die Bank in „Schieflage“ gerät.
•    Die Kreditneuausreichung stockt und die vorhandenen Darlehen werden eng geführt

Unerwartet fällige Swaps sind sehr unangenehm und können existentielle Risiken auslösen. Wenn negative Marktwerte bestehen (wie derzeit nahezu überall) und sie nicht bar besichert sind, sind die negativen Marktwerte innerhalb weniger Tage (!) einzuzahlen.  Diese erheblichen Beträge werden i. d. R. aber nicht in Liquidität vorgehalten. Daher kann es zu einer situativen Illiquidität kommen.

Daher ist es wichtig, die Bankenbonität ebenfalls zumindest quartalweise anzuschauen. Neben den eher groben Ratingeinstufungen empfiehlt es sich ein Auge auf die CDS-Spreads zu werfen. Diese reagieren schneller auf Bonitätsveränderungen und können ein Frühwarnindikator sein.

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