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Heraklit

Druck auf die EZB wegen drohender Altersarmut als Folge der Niedrigzinsen?

18.04.2016 Allgemein,Finance Keine Kommentare

Zuletzt hat auch Herr Schäuble Druck mit deutlichen Worten die Niedrigzinsen kritisiert. Wird bzw. muss sich die EZB davon beeindrucken lassen?

Mir ist nicht bekannt, dass diese Forderungen aus anderen Ländern kämen – also typisch „Deutsche Angst“?

Die EZB sieht sich selbst auf dem „richtigen“ Weg durch viel billiges Geld die Inflation sowie die Wirtschaft in den Krisenstaaten anzukurbeln – in Zeiten höheren Inflation wird sich dann auch das Zinsniveau wieder erhöhen. Daher wird sie die Kritik nicht wirklich verstehen. Wenn jetzt die Leitzinsen erhöht würden, würden vor allem erst einmal die Kreditzinsen der Unternehmen und Staaten steigen. Die Wirtschaft und die Märkte (DAX) wären verunsichert – insbesondere auch die hohen Immobilienpreise würden sich, vor allem außerhalb der „übernachgefragten“ Hot-Spots, absenken. Bis die Sparzinsen nachziehen dauert es immer länger, dass wissen wir aus leidigen Erfahrungen.

Natürlich sehen wir, dass das Wirtschaftswachstum trotz Niedrigzinsen immer schwächer ausfällt. Das Ziel Geld in die Wirtschaft zu spülen klappt nicht wirklich – vor allem nicht in den angepeilten Krisenstaaten. Auch in Deutschland, dass nach der Krise zum starken Mann Europas wurde, liegt das Wachstum bestenfalls noch im Mittelfeld Europas. Doch würden höhere Zinsen daran nichts ändern. Allein die Bankenbranche leidet stark unter den Niedrigzinsen, das die Erträge einbrechen. Allerdings werden in der Zukunft viele Bankenaufgaben von anderen Marktteilnehmern (u. a. Fintechs) abgedeckt. Das betrifft nicht nur den Privatkundenbereich sondern auch die Unternehmenskundenbereich. Unter Umständen zeichnet sich hier ohnehin eine Marktbereinigung ab, die durch die Zinsen nur beschleunigt wird.

Ggf. könnten schuldenfinanzierte Investitionsprogramme die Wirtschaft ankurbeln. Das könnte aber auch nur als Strohfeuer wirken und würde die Staatsverschuldung erhöhen – wenn auch derzeit nicht die Zinslasten. Es ist aber auffällig, dass das aktuelle Wirtschaftswachstum nicht durch den Export herrührt – obwohl wir uns noch immer als Exportnation sehen. Das Wachstum kommt aus der Nachfrage der Verbraucher im Inland – auch ein Folge der niedrigen Zinsen. Sparen lohnt sich nicht, Kredite sind billig. Die Rente ist noch lang hin.

Die Sparer müssen jetzt in Sachwerte investieren bzw. ansparen. Das können Immobilien aber auch kleinere Sparverträge in Aktien oder Immobilienfonds sein. Es ist zwar riskanter aber besser verzinslich und bietet eine Werterhöhungschance. Die Sparer müssen ihr Sparverhalten den geänderten Rahmenbedingungen anpassen. Auch eine Riesterrenten kann auf Aktienwerte basieren. Das deutsche Rentensystem ist für viele die einzige oder zumindest die wesentliche Grundlage der Rentenabsicherung. Dese basiert ohnehin nicht auf wesentlichen Zinserträgen sondern auf einem Umlageverfahren. Daher kann der negative Einfluss der niedrigen Zinsen nur geringfügig das Gesamt-Rentenniveau beeinflussen. Es gibt also Alternativen.

Sorgt sich die deutsche Politik also nur um die Banken und die Rentensparer? Wird das durchdringen?

Da die EZB vor allem sie Stabilität des Eurosystems im Auge hat, kann sie höhere Zinsen nicht kurzfristig umsetzen. Nur durch niedrige Zinsen sind die Staatsschulden einiger Staaten zu tragen. Eine höhere Inflation kann diese Staaten entschulden – daher wäre ein Kombination aus niedrigen, gesteuerten Zinsen und einer höheren Inflation wohl das Wunschbild der EZB. Die Vorwürfe bezüglich der Niedrigzinsen kann die EZB leicht retournieren: Bitte, liebe Staatschefs, reduziert die konsumptiven Ausgaben und investiert mehr. Wenn neue Schulden – dann bitte für Investitionen ins Wirtschaftswachstum.

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Dr. Michael Piontek