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Heraklit

Die Zinsentwicklung im Januar – ein freier Fall?

18.02.2019 Allgemein Keine Kommentare

Die kurzfristigen Zinsen (zum Beispiel der 3-Monats-Euribor) sind seit dem mit – 0,308 % seit Monaten nahezu stabil geblieben.

Die langfristigen Zinsen (z. B. der 10-Jahresswap gegen den 3-Monats-Euribor) sind hingegen mit 0,586 % seit Anfang Oktober 2018 (damals über 1,0%) deutlich gefallen. Die langfristigen Zinsen hatten sich nach der klaren EZB-Ankündigung letztes Jahr zunächst auf niedrigerem Level um bzw. unter 0,8 % (10 Jahres-Swap gegen den 3-Monats-Euribor) stabilisiert. Die Unsicherheiten sind jedoch aufgrund des Handelskrieges zwischen den USA und China sowie des unklaren Brexits in dem Markt zurückgekehrt.

Die Eintrübung des weltweiten Wachtsums durch den aktuellen Handelskrieg in China schlägt sich nun auch in der Eurozone nieder. Auch sind Sanktionen gegen europäische Autohersteller noch nicht abgewendet. All diese Unsicherheiten führen dazu, dass die ursprünglich für dieses Jahr (zum Ausscheiden Draghis) erwartete erste Zinsanhebung der EZB nun erst für das Frühjahr 2020 erwartet wird. Auch die Zinserhöhungen in den USA könnten sich verzögern.

Ich erwarte  bei kurzfristigen Zinsen eher stabile Zinssätze;  bei den langfristigen Zinsen ist die Wahrscheinlichkeit eines Zinsanstiegs nach diesem unerwarteten Absinken inzwischen aber höher als die weiter nachhaltig sinkender Zinsen. Die EZB sichert derzeit die zinsgünstige Liquidität der Marktteilnehmer durch langfristige Tender längerfristig ab.  

Die aktuelle Schwäche der langfristigen Zinsen ist im Wesentlichen zwei Auslösern (Brexit, Handelskrieg) geschuldet. Grundsätzlich sehe ich weiterhin ein Wirtschaftswachstum in der Eurozone und insbesondere in Deutschland (und keine Rezession). Das Wirtschaftswachstum wurde durch die Unsicherheiten lediglich belastet und damit verlangsamt.

Sollte sich das Brexit-Chaos kurzfristig lösen lassen, entweder durch einen Deal oder NO-Brexit – oder sich bis Jahresende 2019 zeigen, dass ein No-Deal gut verkraftet wurde und sich das Handelskriegsthema entspannen (Annährung USA-China und keine zusätzlichen Strafzölle gegen Europa), dann könnten sich die Wirtschaftsaussichten und das Zinsniveau relativ schnell wieder „erholen“.

Es bleibt zu beachten, dass die EZB nicht wieder in einen dauerhaften Kurs der niedrigen Zinsen einschwenken kann. Auch um im Falle einer eventuellen, zukünftigen Rezession noch Handlungsoptionen zu haben, muss zuvor das Zinsniveau angehoben werden.

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