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Der Ölpreis treibt jetzt die Inflation in Draghis Wunschrichtung – wie reagiert die EZB?

02.06.2016 Allgemein Keine Kommentare

Der Ölpreis hat in den vergangenen Jahren die Inflation besonders niedrig gehalten. Dadurch sah sich die EZB immer weit von ihrem Ziel, einer Inflationsrate unter aber nah der 2% entfernt. In der Folge hat die EZB immer neue geldpolitische Lockerungsmaßnahmen ergriffen – auch um die Kreditvergabe anzuregen.

Seit Jahresanfang ist der Ölpreis nun um nahezu 20% gestiegen. Eine Inflationsrate von 1,5% oder mehr scheint möglich. Wie reagiert Herr Draghi? Wird er die von vielen Seiten gewünschte Zinswende einleiten?

Der Anstieg des Ölpreises beruht um wesentlichen auf der Produktionskürzung in Kanada aufgrund großer Waldbrände, Reduzierung im Fracking in den USA und Rückgängen in Afrika aufgrund politischer Unruhen. Diese Entwicklung wird aber nicht von Dauer sein, da Kanada sicher wieder aufschließen wird und bei steigenden Preisen auch das Fracking wieder attraktiver wird. Hinzu kommt, dass schwindende Nachfrage des schwachen Chinas bei gleichzeitiger Produktionssteigerung in den anderen OPEC-Ländern (inkl. eines wieder erstarkenden Irans) wieder zu einem Überangebot an Öl und damit sinkenden Preisen führen wird. Ich rechne nicht damit, dass sich die OPEC-Staaten heute auf Produktionsbeschränkungen einigen werden können.

Daher würde sich auch die Inflationsrate nicht nachhaltig nach oben bewegen. Dennoch bleibt es spannend, ob die EZB aus politischen Gründen ggf. die vorübergehend gestiegene Inflationsrate als Argument und Begründung heranziehen wird.

Der Markt scheint keine Zinserhöhung zu erwarten. ich selbst gehe auch eher davon aus, dass maximal keine neue Lockerungsmaßnahmen seitens der EZB beschlossen werden könnten.

Bleibt die FED in den USA. Dort konzentriert man sich auf die Arbeitslosigkeitsrate U-3, die gefallen ist. Darin enthalten sind aber nur die Arbeitslosen, die sich in den letzten 12 Monaten um Arbeit bemüht haben. Dieser Wert liegt bei 5,0% im April 2016 (Quelle: Bureau of Labor Statistics). Die Rate inkl. Langzeitarbeitsloser U-6 liegt dagegen bei 9,7%. Viel wichtiger scheint aber, dass sich die Zahl der Erwerbstätigen nicht erhöht sondern in der Vergangenheit eher gefallen ist. Daher gehe ich nur von marginalen Zinserhöhungsschritten in den USA aus, um die Wirtschaft nicht zu belasten. Diese werden keine Wirkung bei uns erzielen, sondern sich maximal im Wechselkurs widerspiegeln.

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