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Das einzig Konstante im Universum ist die Veränderung.
Heraklit

Brexit – nicht politisch sondern psychologisch …

20.06.2016 Allgemein Keine Kommentare

Die Zinsentwicklung hängt neben ökonomischen Daten auch stark mit psychologischen Faktoren zusammen. Nun steht am Donnerstag das Referendum zum Brexit an – und die Auswirkungen können vielschichtig sein.

Mehrheitlich werden auf dieser Seite des Kanals die Folgen für Großbritannien im Falle eines Brexit negativ gesehen – die Risiken für die „Rest-EU“ werden erkannt, aber nicht übergewichtet. Mir ist nicht ganz klar wo die Vorteile für die Rest-EU am Ende wirklich liegen könnten.

Aber die Frage ist ja: Kommt der Brexit oder nicht?

Und das ist tatsächlich rein psychologisch zu sehen und zu beantworten. Viele Briten sehnen sich zurück nach Größe, Bedeutung und Unabhängigkeit. Die Briten haben aus historischen Gründen immer mit der EU gefremdelt. Gleichzeitig wissen die meisten Briten erstaunlich wenig über die EU. Daher wird immer alles Negative leicht mit der EU verbunden. Dabei würde bei einem Austritt viel der „EU-Regulierung“ statt dessen aus London erfolgen. Aber das wird ggf. positiver bewertet. Aber ich möchte nicht alle Für und Wider aufführen. Zumal nicht wirklich klar ist, wie hart eine EU mit Großbritannien nach einer Brexit-Entscheidung wirklich umgehen würde.

Ich glaube nicht, dass die Briten „Leave“ stimmen werden. Warum? Der Mensch vermeidet grundsätzlich Extrempositionen und extreme Veränderungen. Die kennen wir aus der allgemeinen Psychologie und auch der aktuellen managementlehre. gewisse Biases und leiten den Menschen in der Mehrzahl der Fälle unbewusst in bestandsbewahrende bzw. -bestätigende Richtungen. Insbesondere bei existentiell wichtigen Entscheidungen ist diese Neigung noch stärker ausgeprägt. Psychologisch fällt die Brexit-Entscheidung wohl in dieses subjektive Raster. Derzeit sind die „In“-Befürworter leicht in der Mehrheit. Ich gehe davon aus, dass die Wähler im Zweifel in der Kabine eher mit „In“ statt „Leave“ stimmen werden, unabhängig davon, was sie in Umfragen erklären. Es ist auch nicht ausgeschlossen dass der Cox-Mord hier eine Rolle spielt. Da jetzt bereits die „In“-Befürworter leicht in der Mehrheit sind, werden die psychologischen Effekte deren Position noch verstärken. Hilfreich wird auch eine hohe Wahlbeteiligung sein, da die Gegner regelmäßig ein höhere Motivation der Protestler erreichen können.

Die Wettquoten in England sind ebenfalls deutlich pro EU. Diese politischen Wetten haben eine hohe Aussagekraft, da hier eigenes Geld gesetzt wird. Und die Frage ist anders: Was denken sie, wird die Mehrheit der Briten entscheiden. Und nicht: Wie würden Sie sich entscheiden (wie bei Umfragen).

Diesen Effekte haben wir auch im Entscheidung der Schotten über eine Unabhängigkeit von Großbritannien gesehen. Die Menschen haben sich im Zweifel für die vermeintlich sichere Variante entschieden, obwohl die Motivation für ein unabhängiges Schottland seit Jahrhunderten hoch ist – ggf. noch höher als die Motivation Großbritanniens die EU zu verlassen.

Die schottischen Briten werden auch für IN stimmen. Was macht es denn für einen Sinn für Großbritannien und gegen EU zu stimmen? Eine gründe für das Verbleiben in Großbritannien war die Mitgliedschaft in der EU.

Das scheint der Aktienmarkt zu spüren, der heute deutlich gestiegen ist. Der Markt scheint keinen Brexit zu erwarten. Die Verluste der letzten Woche sind nahezu kompensiert. Ich glaube auch, dass der Finanzplatz London weiß, dass eine Position innerhalb einer EU besser ist als außerhalb.

Daher sehe ich derzeit auch keine Risiken für Wirtschaft und Zinsentwicklung – und in der Folge auch keinen Handlungsbedarf zur Absicherung.

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Dr. Michael Piontek