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Zinsen, das Problem der EZB mit sich selbst und seinen Maßnahmen – doch eine geheime Agenda?

22.03.2016 Finance Keine Kommentare

Die EZB hat am10.03.2016 die Markterwartungen erfüllt und den Leitzins auf „0“ und den negativen Anlagezins weiter abgesenkt. Damit wurde eine weitere Verschärfung und Verlängerung der Niedrigzinspolitik eingeläutet. Hintergrund war vor allem die – erneut – negative Inflation im Euroraum. Dessen Hintergrund ist vor allem der niedrige Ölpreis. Dies scheint auch für die Zukunft die wesentliche Kennzahl zu sein. Die EZB will damit die Banken zu einer verstärkten Kreditvergabe drängen. Dieses funktioniert aber derzeit nicht, da

– zu wenig Kreditnachfrage bei den Banken ankommt,
– die zu tragenden Risiken für die Banken zu hoch sind,
– die Regulatorik – durch die gleiche EZB! – für die Banken eine Belastung ist, die dann auch noch weiter anwächst.
Die EZB steht sich faktisch teilweise selbst im Wege – durch die intensive Kontrolle und Regulatorik behindert sie den Erfolg der eigenen Maßnahmen. Da die Herren der EZB dies natürlich selbst erkennen bleibt nur das Fazit, dass man doch nur eine günstige Staatsverschuldung für die EZB-Staaten erreichen will.
Daher gehe ich davon aus, dass die Zinsen erst einmal niedrig bleiben. Die Inflation wird ebenso erst steigen, wenn der Ölpreis nachhaltig anzieht. Da sei erst einmal noch der Iran „vor“.
Die Zinsen bleiben aber auch ohne Aktionen der EZB niedrig, da die wirtschaftlichen Kerndaten dies untermauern. Wir haben eine hohe Sparrate gepaart mit geringen Investitionen (öffentlich wie auch privat), wodurch eine nur geringe Verschuldungsnachfrage entsteht. Hoher Anlageüberhang führt natürlich zu niedrigen Anlagezinsen.
Diese Situation wird sich auch so schnell nicht ändern, da
– die „guten“ Staaten die schwarze Null erreichen wollen und nicht die Verschuldung ausweiten,
– die „schwachen“ Staaten sich keine weitere Verschuldung leisten können – trotz niedriger Zinsen.
Daher spricht derzeit vieles für mittelfristig niedrige Zinsen. Selbst wenn die EZB die Politik nach gestiegener Inflation einmal ändern sollte (gestiegener Ölpreis und / oder Helikoptergeld), dann können Schritte auch nur sehr langfristig angegangen werden – auch in die Märkte nicht zu verunsichern. Die „geheime Agenda“ sollte aber längerfristig niedrige Zinsen bescheren. Es dauert halt, bis sich die armen EU-Staaten erholen – sofern sie auf dem Weg das Geld nicht wieder ausgeben.

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