Dr. Michael Piontek – Willkommen auf meiner privaten Webseite

Das einzig Konstante im Universum ist die Veränderung.
Heraklit

Büroarbeitsplätze der Zukunft – in Zeiten der Digitalisierung …

07.11.2019 Allgemein Keine Kommentare

Derzeit sind Büroflächen in den grossen Städten heiß begehrt und in der Regel vermietet. Leerstand sucht man oft vergeblich. Gleichzeitig hören wir von demografischem Wandel, der auch Anzahl der Büroangestellten verringern wird. Zeitgleich nimmt die Digitalisierung Fahrt auf unverändert nicht nur die Arbeit (in Umfang, Umsetzung und Workload) sondern auch die Art der Arbeit und die Zusammenarbeit der Kollegen.

Dabei wird die Reduzierung der Büroangestellten mehrheitlich durch Effizienzsteigerungen durch die Digitalisierung Theoretisch insgesamt aufzufangen sein – aber es kommt wieder auf den Einzelfall an. So werden die eher einfachen und manuellen Arbeiten zuerst durch den Ausbau der Standardsoftware, dann durchnehme Systeme und zuletzt durch Robotics ersetzt. Es werden also einfache Tätigkeiten von eher einfach ausgebildeten Arbeitnehmern entfallen. Die komplexeren Aufgaben (Bewertung der Informationen und Ableitung von Handlungsmöglichkeiten, Führungs- und strategische Tätigkeiten, komplexerer Vertrieb) werden vorerst manuell und personengebunden bleiben. Das setzt aber voraus, dass die Mitarbeiter entsprechend so qualifiziert sind, dass sie diese höherwertigen Tätigkeiten auch ausführen können. Da hapert es in der Praxis bei den Schul- und Universitätsabsolventen leider – hier müssen die Betriebe durch höherwertige eigene Ausbildung, duale Studiengänge und berufsbegleitende Fortbildungen die Qualitäten steigern und den Bedürfnissen anpassen. DieZahl der Mitarbeiter wird tendenziell sinken – die Mitarbeiter aber qualifiziere Tätigkeiten ausführen.

Was bedeutet das für den Büroimmobilienmarkt? Der oben skizzierte Transformationsprozess wird einige Zeit dauern. In dieser Zeit wird es ggf. Die Entwicklung geben, dass sich die höherwertigen und einfacheren Tätigkeiten separieren. Die einfacheren Tätigkeiten werden sich eher in ausgelagerten „Werkbänken“ in Nebenlagen wiederfinden – die höherwertigen Tätigkeiten eher weiterhin in den Top-Lagen. Dort werden die Flächennachfragen je Unternehmen in der Folge dann aber geringer ausfallen, da weniger Mitarbeiter dort tätig sind.

Die Grossflächen in Top-Lagen werden eher abnehmen. In den Nebenlagen werden zuerst die ausgelagerten Werkbänke entstehen, die sich dann im Rahmen der Digitalisierung reduzieren und eher zu Rechenzentren und Datenbankfarmen mutieren werden. Die dort tätigen Mitarbeiter werden automatisch distanzierter und unternehmensunabhängiger. Der Dorfstraße sinkende Bedarf an Manpower wird auch dazu führen, dass Mitarbeiter für mehrere Unternehmen arbeiten können und werden. Auch Teilzeit wird hier stark zunehmen.

Grundsätzlich wird die Bedeutung langfristiger Beschäftigungsverhältnisse mit einem Arbeitgeber eher zurückgehen und die Mitarbeiter sich eher dem Modell des Freelancers annähern. Umso wichtiger wird es für Unternehmen, Key-Mitarbeier langfristig an das Unternehmen zu binden. Dies gelingt nicht mehr (und immer weniger) über Gehalt sondern über Altersvorsorge, attraktive Arbeitsplätze und -bedingungen und gute Unternehmenskultur.

In der Folge werden daher in den Toplagen eher kleinere Unternehmenseinheiten Agieren und mittlere Flächen nachfragen. Großflächen in Toplagen werden eher zurückgehen. In gut erschlossenen Nebenlagen werden zuerst immer größere Flächen nachgefragt, die sich dann sukzessive Und langfristig wieder reduzieren werden.

Stabilisierung der langfristigen Zinsen durch Reduzierung der globalen Unsicherheiten?

31.10.2019 Allgemein Keine Kommentare

Die letzten Jahren waren wirtschaftlich stark von der Unsicherheit über den Brexit sowie die möglichen (und dann auch eintretenden) Einflüsse des Handelsströme zwischen den USA und China geprägt. Die Unsicherheit hat zu wirtschaftliche Bremsspuren geführt und in der Folge auch dafür gesorgt, dass die Zinspolitik der Zentralbanken weiter auf niedrige Zinsen setzen.

Die Zentralbanken steuern die kurzfristigen Zinsen durch Leitzinsen und Liquiditätsmaßnahmen. Die langfristigen Zinsen können durch Anleihekäufe beeinflusst werden – sind aber mehr dem Marktgeschehen unterworfen. Auch die langfristigen Zinsen waren zuletzt sehr deutlich auf neue Tiefststände gefallen: Ein Ausdruck dafür, dass man auch langfristig mit niedrigen Zinsen rechnete – im Umkehrschluss auch mit einer schwachen (ggf. rezessiven) Wirtschaft.

Nun lässt sich erkennen, dass seitdem sich der Handelsstreit USA-China zu entspannen scheint und Boris Johnson als britischer Premier Ende August bei Bundeskanzlerin Merkel in Verhandlungen einstieg – Also die Unsicherheiten bei den beiden großen wirtschaftlichen Themen geringer wurden – die langfristigen Zinsen nicht nur ihrem Verfall stoppten sondern auch wieder moderat anstiegen.

Wie ich bereits mehrfach ausführte belasten Unsicherheit die Wirtschaft mehr als tatsächlich feststehende – auch negative – Entwicklungen. So würde auch ein No-Deal-Brexit tendenziell positiv wirken, da er die Unsicherheit beendet und sich alle Teilnehmer an der Wirtschaft darauf einstellen könnten.

Nun bleibt abzuwarten, ob wir im Dezember (Vor Inkrafttreten weiterer Zölle der USA) eine weitere Einigung im Handelsstreit bekommen. Und wie die Wahl in UK ausgeht: Wird UK die EU Ende Januar zuverlässig verlassen? Oder gibt es gar ein neues Referendum? Durch die letzte Abstimmungserfolge Johnsons scheint aber der Markt das Zutrauen zu haben, dass trotz der aktuellen Verschiebung des Austrittsdatums eine Beendigung des schwebenden Zustands bald erfolgen wird, ggf. sogar mitweinen Deal – aber zur Not auch ohne.

Natürlich beeinflussen auch andere Themen die Wirtschaft und Zinslandschaft – aber die Themen Brexit und Handelsstreit scheinen einen erhöhten Einfluss auszuüben.

Die skizzierte Beruhigung könnte dazu führen, dass die langfristigen Zinsen stabiler werden. Auch bleibt abzuwarten wie die neue EZB-Präsidentin reagiert. Wartet sie erst einmal ab bevor sie die neuen Anleihenankäufe startet? Die Inflation wird im Oktober / November noch schwach sein – auch weil der Ölpreis heute Mit rd. 60 USD / Barrel deutlich unter dem Vorjahreswert von fast 75 USD liegt. Das führt zu deutlichen inflationssenkenden Effekten. Der Effekt wird sich aber im Dezember voraussichtlich umkehren. Dann würde ein Preis von 60 USD / Barrel deutlich über dem Vorjahreswert von 53 USD am 28.12.2018 liegen. Dies würde dann zu einem deutlich höheren Inflationsausweis führen. Es bleibt abzuwarten, wie Frau Lagarde dann mit dieser Information umgeht.

Der Berliner Mietendeckel ist eine Kapitulation der Politik

22.10.2019 Allgemein Keine Kommentare

Ein Mietendeckel ist die Kapitualtion der Berliner Politik. Ein Eingeständnis der Unfähigkeit der handelnden Politiker. Sie haben mit 6 (!) städtischen Wohnungsbaugesellschaften in den letzten Jahren trotz klarer Bevölkerungswachstumsprognosen nicht ausreichend Wohnungen geschaffen und zusätzlich Sozialwohnungen im großen Stil abgeschafft. Im Gegenteil wurden Baugebiete für Wohnen wie Elisabethaue, Pankow V und Tempelhofer Feld vorsätzlich nicht bebaut und der Wohnungsmangel dadurch sehenden Auges deutlich verschärft.

Dem teilweise durch Untätigkeit, ideologischen und wahltaktischen Gründen selbst von der Politik (lange absehbar) herbeigeführte Problem rasant steigender Neuvermietungsmieten (hohe Nachfrage, kein ausreichender Neubau) soll jetzt mit einem untauglichen Mietendeckel begegnet werden, der die Probleme noch verschärfen wird und Mieter wie Vermieter in rechtliche Unsicherheit stößt. Ein Pflaster das kurz für einige schick aussieht, unter dem das Problem sich aber noch schneller verschlimmert. Natürlich wird der private Neubau zurückgehen und damit das Angebot noch geringer werden. Die Wohnungsbaugesellschaften können das gar nicht auffangen. Natürlich werden Investitionen in den Bestand gestrichen oder zumindest deutlich reduziert. Auch die laufende Instandhaltung wird nur noch mit ganz spitzem Bleistift erfolgen. Der Betsand wird leiden – das werden wir in 5 Jahren sehen. Natürlich werden Baufirmen erhebliche Aufträge verlieren und Mitarbeiter entlassen müssen. Ein größerer Teil der von der Politik erwarteten Einsparungen für Mieter von 2,2 Mrd. EUR werden als Bauaufträge bei den Baufirmen, insbesondere den lokalen Firmen in Berlin, fehlen.

Und jetzt feiert man sich dafür? Das man versagt hat und zum Mietendeckel greifen muss.

Weder die privaten Kleinvermieter (40% des Berliner Wohnungsbestandes) noch Deutsche Wohnen etc. (auch 40% des Berliner Wohnungsbestandes) sind am Wohnungsmangel, Zuzug und damit den mietpreiserhöhenden Nachfrageüberhang Schuld. Letztere sind übrigens keine abstrakten superreichen Privatinvestoren oder „böse Kapitalisten“ sondern Immobilien-AGs, diese gehören wiederum zu 70% Kleinaktionären (Deutsche Wohnen) und der Rest i. W. Versicherungen und Pensionskassen, die wiederum das Geld von Kleinanlegern verwalten. Das werden ggf. einige Riestersparer (auch Mieter, Linken- und Grünenwähler) schmerzlich spüren.

Jetzt werden wir sehen ob die aktuelle Landesregierung entweder

  • mit einem ambitionierten Wohnungsbauprogramm den Mangel beherzt selbst bekämpfen wird (z. B. 100.000 Wohnungen auf einem Drittel des Tempelhofer Feldes) und dann die Eingriffe in den Markt wieder zurücknehmen kann oder
  • sich zurücklehnt um links Wählerstimmen zu kultivieren, den Mangel weiter eskalieren lässt und dann vor dem Hintergrund der sich weiter verschlechternden Situation mit weiteren, sozialistischen Eingriffen einen Gesellschaftsumbau nach Links weiter voranzutreiben.

Wenn Ideologie vor wirtschaftlicher Vernunft rangiert, wird diese nur durch steigende Staatsschulden zu finanzieren sein. Die Wohnungsbaugesellschaften werden schnell neues Eigenkapital brauchen um die Senatsträume zu finanzieren. Die Arbeitslosigkeit wird steigen. Sozialismus auf Pump wird wegen der Neuverschuldungsbremse des Landes und sinkender Zuweisungen aus dem Länderfinanzausgleich nicht funktionieren. Berlin ist schon das „Griechenland“ Deutschlands, dass sich mehr Sozialleistungen leistet als die in den Länderfinanzausgleich einzahlenden Bayern, sich dies also von den Bayern finanzieren lässt. Als Berliner daher an dieser Stelle mal ein herzliches Dankeschön an die Bayern!!!

EXPO REAL POLIS-Panel: All in One – umfassende Digital-Plattformen für die Immobilienwirtschaft

11.10.2019 Allgemein Keine Kommentare

Ich hatte das Vergnügen mit den führenden Vertretern der Proptech-Community die aktuelle Situation der Digitalisierung in Bezug auf die existierenden Plattformen zu diskutieren. Ich war konnte als Moderator dabei auch die Position der Eigentümer und Investoren einbringen.

Es kristallisierte sich schnell heraus, dass die Zusammenarbeit oder gar Integration der Plattformen vor allem am fehlenden, einheitlichen Datenstandard liegt. Hier laufen Bemühungen der Branche, einen Datenstandard zu definieren und zu etablieren. Dabei muss aber beachtet werden, dass mehrere Gruppen daran arbeiten – nicht das parallel mehrere entstehen. Hinzu kommt natürlich, dass die Daten bereits in Standards der aktuellen, lokal gehosteten IT-Systemen bei den Kunden liegen.

Neben Datenstandards muss aber auch die Komplexität für den Anwender / Kunden / Mitarbeiter reduziert werden. Entweder durcheinander vorgeschaltete Oberfläche oder der Voranstellend einer Plattform, über die dann (für den Nutzer unsichtbar) die anderen Lösung mitgesteuert und genutzt werden können. Hier bleibt abzuwarten, wer die Führung übernehmen kann.

Wenn die aktuellen Plattformen die Harmonisierung in Datenstandards und Bedienung nicht hinbekommen droht ggf. die Dominanz eines TechKonzerns, der dann den markt übernimmt und seinen Standards und Lösungen „durchdrückt“. Das könnte die aktuellen Plattformen dann disruptive bedrohen. Hier beobachte ich mitInteresse das Projekt „Building Minds“ von Schindler, der immerhin 150 Mio. EUR in das Thema investiert und mit Microsoft einen sehr starken Technik-Partner gewinnen konnte.

Die Abstimmung der Gäste und Zuschauer brachte ein uneinheitliches Ergebnis. Rund die Hälfte glaubt daran, dass die Plattformen die Entwicklung kooperationsfähiger Standards in 2-3 Jahren schaffen. Die andere Hälfte sah dies nicht – da dort dann weiter die Fragmentierung.

Ich bedanke mich ausdrücklich bei den Teilnehmern des Panels Heike Gündling von Eucon, Nessim Djerboua von EverReal, Maurice Grassau von Architrave, Jens Kramer von Promos und Sander van de Rijdt von PlanRadar.

Wir werden die weitere Entwicklung mit Interesse beobachten und spätestens in 2-3 Jahren die Erfolge sehen – oder einen dominanten TechKonzern.

EXPO REAL 2019

20.09.2019 Allgemein Keine Kommentare

Auch dieses Jahr bin ich die ganzen drei Tage auf der Expo Real in München. Ich freue mich auf die Gespräche. Dieses Jahr habe ich auch die Ehre ein Panel zum Thema „All in One – umfassende Digital-Plattformen für die Immobilienwirtschaft“ in Halle A3, Raum 31 moderieren zu dürfen. Ich freue mich auf die Diskussionsteilnehmer Frau Gündling (EUKON), Herr Grassau (Architrave), Herr Kramer (Promos), Herr van de Rijdt (PlanRadar) und Herr Djerboua (EverReal) und die Interaktion mit dem Publikum.

Sie können mich auch am Berlin-Stand in Halle B2 Stand 420 besuchen. Ich freue mich!

Vorstandsreferent bei der POLIS Immobilien AG

20.09.2019 Allgemein Keine Kommentare

Wir bieten eine interessante, abwechslungsreiche Stelle mit erheblichem Entwicklungspotential:

Negative Kreditzinsen im gewerblichen Finanzierungsbereich?

30.08.2019 Allgemein Keine Kommentare

Die Zinsen kennen derzeit nur eine Richtung: Abwärts. die Zinsswaps gegen den 3-MonatsEuribor sind über 20 Jahre Laufzeit negativ. Die Pfandbriefeinstände für 10 Jahre bei -0,27%, 5 Jahre sogar bei -0,50%. Der 3-Monats-Euribor liegt bei – 0,428%.

Diese Werte führen und jetzt bei Kreditmargen um die 0,5-0,6% an die Grenze, dass der Kundengesamtzinssatz (Einstand plus Kreditmarge) negativ werden kann. Viele Banken haben dies bei variablen Darlehen in den Kreditbedingungen ausgeschlossen. Dabei wurde auf rechtliche Bedenken hingewiesen. Ob diese wirklich tragen bleibt fraglich, aber bei den negativen Guthabenzinsen war man ja auch kreativ und diese als Verwahrentgelt tituliert. Warum keine negativen Zinssätze als „Tilgungsverzicht“ einführen? Bei Förderkrediten ist dies bereits gelebte Praxis. 

Es wird tatsächlich schwierig für Kunden, wenn durch den Floor bei „0“ für den Gesamtzins, wenn sich Kredit und Zinssicherung (Swap) nicht mehr gleich verhalten. Dadurch wird die Effektivität des Hedgings gefährdet und die negativen Marktwertänderungen müssen in der G+V statt im Eigenkapital (nach IFRS) ausgewiesen werden. Auch nach der für Dividendenzahlungen maßgeblichen Rechnungslegungsstandard nach HGB ergeben  sich dadurch die Belastungen der G+V, da es dann keine Bewertungseinheit mehr geben könnte.

Aber auch bei Festzinsdarlehen könnte jetzt ein Punkt erreicht sein, bei dem zumindest die 5 Jahresverträge einen negativen Kundenzins ausweisen müssten. Die Banken melden vereinzelt die Platzierung von Pfandbriefen mit negativen Renditen unter -0,5%. 

Es ist auch nicht nachzuvollziehen, warum die Banken die Einstandsverbesserung einseitig für sich behalten sollte. Die stellt eine einseitige Ausweitung der Kreditmarge zu eigenen Gunsten dar. Rechtlich sind (ggf. über Umwege) negativen Gesamtzinssätze für Kunden möglich.

Wenn die Zinsentwicklung nach unten weitergeht, werden erste Kunden mit variablen Finanzierungen den Druck auf die Banken erhöhen, eine Effektivität der Zinsswaps durch Aufgabe des Floors abzusichern. Die Bank, die zuerst negative Kreditzinssätze ermöglicht wird sicherlich einen großen Teil des Neugeschäftskuchens für sich sichern können.

     

Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft – wie behält man den Überblick? Was ist sinnvoll umsetzbar?

30.08.2019 Allgemein Keine Kommentare

Digitalisierung ist derzeit eines der treibenden Themen in der Immobilienwirtschaft. Die Unternehmen sind oft noch wenig digitalisiert – gleichzeitig werden hunderte neue digitale (oft Einzel-) Lösungen auf den Markt gebracht.

Hier gilt es den eigenen Digitalisierungsstand ehrlich zu erfassen, Potentiale zu erkennen und die Umsetzbarkeit (inkl. Akzeptanz beim Personal) realistisch abzuschätzen.

Digitalisierung muss „von innen“ kommen. Der Bedarf muss ermittelt werden, Zum Beispiel: Wo werden Daten von Hand erfasst, die bereits in anderen Systemen oder bei Vertragspartnern vorhanden sind (Ersparung langweiliger, manueller Arbeit sowie Fehlervermeidung)? Wo wird Papier bewegt (DMS, Workflows)? Wo werden Prozesse und Analysen manuell oder in Excel umgesetzt?    

Zuerst sollte geprüft werden, welche Themen mit den vorhandenen Systemen umgesetzt werden können – oder ob diese entsprechend erweitert werden können. Neue Softwaresysteme mit neuen Schnittstellen bedeuten neben dem Implementierungsaufwand auch neue Fehlerpotentiale bei Updates und im Zusammenspiel verschiedener EDV-Systeme. Auch müssen neue Systeme erst einmal von den Mitarbeitern akzeptiert und auch genutzt werden. Schnell kommt es aufgrund der Komplexität zu Ablehnungen und Unzufriedenheit bei bzw. durch die Mitarbeiter.

Bei neuen Systemen sollte immer eine Single-Sign-on Lösung berücksichtigt werden. Komplexität in der Bedienung ist zu vermeiden. Auch müssen die neuen Systeme alle vorhandenen Daten aus den vorhandenen Systemen automatisch übernehmen um Mehrarbeiten zu vermeiden. Bei DMS-Systemen sollte möglichst eine automatische Verschlagwortung gesichert werden.

neue Systeme sollten unbedingt keine Single-Use-Lösungen sein. Dies trifft aber auf die meisten Star-Ups im Prop-tech-Bereich zu. Dort werden einzelne Lösungen möglichst zügig auf den Markt gebracht. Ob die Anbieter und Systeme langfristig bestehen bleiben, bleibt abzuwarten. Für die Immobilienwirtschaft ist es aber keine Lösung, mehrere neue zusätzliche Systeme parallel zu den bestehenden Softwareprogrammen neu zu installieren (Schnittstellen, Bedienbarkeit, Akzeptanz bei den MA). Daher kommen eher die bereits längerfristig am Markt vorhandenen Plattformen und Systeme in Frage, die einen weitergehenden Nutzen bieten und die Daten mehrfach nutzbar machen. Aber auch diese Plattformen sind von der Nutzbarkeit / Angeboten begrenzt. Daher bleibt abzuwarten, ob sich diese Plattformen für weitere Anbieter und Systeme öffnen, um dem Kunden weitgehende Lösungen „all-in-one“, also aus einer Hand anbieten zu können. Hier stellen sich dann technische, rechtliche und wirtschaftliche fragen. Dazu werde ich auch auf der Expo Real ein Panel mit namhaften Plattform-Anbietern moderieren. Ich bin gespannt.    

 

Warum die Inflation zum im vierten Quartal 2019 wohl wieder anzieht … Was hat der Ölpreis damit zu tun und was wir die EZB dann tun?

02.08.2019 Allgemein Keine Kommentare

Die EZB verfolgt immer noch das Inflationsziel nahe aber unterhalb von 2%. Daran hat sie in der Vergangenheit immer wieder ihre Zinspolitik argumentativ ausgerichtet. Die hier zugrundeliegende Inflation wird im Wesentlichen vom Ölpreis beeinflusst – und auch nur von dessen Veränderungen gegenüber dem Preis von vor 12 Monaten. Dieser Wert ist aber in gewissem Umfang willkürlich.

Das lässt sich auch sehr gut belegen:

Im Jahr 2018 lag der Ölpreis bis Oktober über dem Vorjahreswert, im vierten Quartal stürzte der Preis dann deutlich ab (unter den Wert von vor 12 Monaten). Der Ölpreis hatte also bis Ende des dritten Quartal einen positiven Veränderungswert (Steigerung) auf die Sicht von 12 Monaten. Parallel stieg die Inflation in der Eurozone „parallel“ bis auf 2,3% im Oktober 2018. Danach lieferte der Ölpreis Inflationssenkende Impulse, da sein Kurs im Vergleich zum Vorjahr geringer lag. Folglich sank die Inflation in der Eurozone bis auf 1,4 im Januar 2019. Seitdem liegt der Ölpreis dauerhaft unter dem Vorjahreswert – dass wird sich wohl bis zum Ende des dritten Quartals 2019 fortsetzen. In der Folge beträgt die Inflation in der Eurozone um die 1,3%.    

Forecast: Heute liegt der preis für Brent-ÖL bei etwas über 60 USD, vor 12 Monaten knapp unter 75 USD. Daher senkt der Ölpreiseinfluss unsere Inflation erheblich ab. Dieser Effekt wird sich bis Ende September noch deutlich verstärken, da der Ölpreis im dritten Quartal 2018 deutlich bis auf 85 USD stieg. Wenn der aktuelle Ölpreis stabil bleibt oder maximal auf den Jahreshöchstwert 2019 von 75 USD erhöhen sollte (ggf. wegen Lieferschwierigkeiten durch die Straße von Hormus), dann wird der Ölpreis noch stärkere Inflationssenkende Impulse liefern.

Im vierten Quartal dreht das Spiel dann deutlich. Der Ölpreis fiel im vierten Quartal 2018 von 85 USD auf nur noch rd. 53 USD zum Jahresende. Wenn sich der Ölpreis 2019 im Korridor von 60 – 75 USD hält, wird der Ölpreis dann (immer im Vergleich zum Vorjahreswert) Inflationserhöhende Beiträge für unsere Inflationsrate erbringen.

Die Betrachtung ist singulär auf einen Faktor ausgerichtet, simpel und berücksichtigt keine weiteren externen Faktoren auf den Ölpreis und Inflation. Aber der Ölpreis hat einen erheblichen Einfluss auf die Inflationsberechnung – daher wird er Auswirkungen haben.

Wir werden das vierte Quartal beobachten – wenn sich die Inflation tatsächlich in diesem rahmen erhöht: Was macht dann die EZB. Der Ölpreis hat sehr wenig mit den aktuellen Problemen der deutschen Wirtschaft und gar nichts der Kreditvergabe der Banken zu tun. Welche Argumente wird die EZB unter Frau Lagarde suchen?  

Zinsen: Steht uns ein Sommer des Chaos bevor?

30.07.2019 Allgemein Keine Kommentare

Leider hat sich das Mitte / Herbst letzten Jahres als eher unwahrscheinlich erscheinende Niedrigzinsszenario durchgesetzt. Ging man mehrheitlich (und auch ich) nach „reiner Lehre“ davon aus, dass das Auslaufen des Anleiheankaufsprogramms die Zinsen stabilisieren und tendenziell eher erhöhen würde (zumal Herr Draghi erste Zinserhöhungen für den Herbst 2019 in Aussicht stellte), so haben die Verunsicherungen aus Handelskrieg, Brexit, Nahostkonflikt, Staatsschuldenkrise Italien/Griechenland und den daraus entstehenden wirtschaftlichen Risiken das Zinsniveau nach unten getrieben.

Dabei weisen wir noch ein (wen auch gesunkenes) Wirtschaftswachstum auf. Eine Rezession ist nicht erkennbar. Auch wen die Diskussionen auch die Verbraucher zunehmend verunsichern. Es scheint auch inzwischen klar zu sein, dass die Eurozone mit einem ungeregelten Brexit deutlich besser klar käme aus Großbritannien. Die laufenden Diskussionen und Verzögerungen geben den EU-Firmen ausreichend Zeit sich bis Ende Oktober ausreichend auf den Brexit vorzubereiten. Der Brexit wird für die Eurostaaten einmalige Kosten und Einbußen bringen, diese werden aber schon 2020 verarbeitet sein. Die Handelsströme werden sich neue Wege suchen und finden.

Die EZB sollte dies antizipieren und nicht gleich wieder  zur Expansionspolitik zurückkehren. Das starre Festhalten an der Inflationserwartung, die im Wesentlichen von der Entwicklung des Ölpreises im Vergleich zum Vorjahreswert  beeinflusst wird (dieser Veränderungswert hat nur wenig mit der tatsächlichen Entwicklung der europäischen Wirtschaft zu tun) ist schlicht falsch. Hier müsste eine zutreffendere Berechnung der Inflation gefunden werden, die die Lage der Wirtschaft und auch das Empfinden der Bürger mehr trifft. Oder man löst sich bei den geldpolitischen Entscheidungen von der Nibelungentreue der Inflationsrate und -erwartung. Die EZB vergibt nun die ggf. einmalige Chance durch Zinserhöhungen überhaupt erst wieder ein nennenswertes und wirksames Maßnahmenpotential aufzubauen. Die Gefahr eines japanischen Kurses scheint immer größer zu werden. Frau Lagarde repräsentiert ebenfalls eher einen expansiven Kurs der Geldpolitik. Die reformunwilligen Staaten (vor allem Italien und Griechenland) hätten sich wohl kaum eine bessere Nachfolgerin von „Mr. Niedrigzins“ Draghi wünschen können.  Eine schwache Nachfolgerin von Frankreichs Gnaden (Frankreich ist ebenfalls hoch verschuldet) die auf niedrige Zinsen setzt, wird auch die letzten Reformbemühungen in den Schuldenstaaten erlahmen lassen. Dabei wird ein „Weiterso“ die Eurozone (und ggf. die EU) nicht retten, nur eine schmerzliche Reform und Entschuldung der überschuldete Mitgliedstaaten kann die Eurozone langfristig retten. Einem nicht zahlungsfähigen Kreditnehmer eine Stundung und einen Zinsverzicht nach dem anderen zuzusagen hat noch niemanden saniert. Die EZB spielt auf Zeit – riskiert damit aber alles. Und wir sind nicht Japan. Dort gibt es nur einen Wirtschaftszone, einheitliche Regelungen, Steuern und eben auch nur eine Regierung. In der Eurozone werden die Rotationskräfte im Niedrigzinsumfeld immer mehr zunehmen. Die Eurokritischen Parteien werden stärker und die „Zahlerstaaten“ werden irgendwann nicht mehr bereit sein die Schuldenstaaten zu alimentieren. Dann ist die Eurozone und auch die EU wohl „am Ende“. Die EZB muss sich hier auf die Stabilitätskriterien des Euro zurückbesinnen. Wer sie nicht erfüllt – und ggf. noch nie erfüllt hatte – der muss sie jetzt erfüllen. Oder zumindest deutliche Schritte in diese Richtung unternehmen.

Der Handelskrieg bleibt uns noch so lange erhalten, so lange Trump amerikanischer Präsident ist. Da Trump wirtschaftliche Themen mit sicherheits- und militärischen Themen vermischt, bleiben Unsicherheit und Risiko groß. Hier muss sich die die EU auch nachhaltig selbständiger aufstellen. Als Ad-hoc-Maßnahme könnte Deutschland aber auch seine marode militärische Struktur durch Zukäufe funktionierender Systeme aus den USA verstärken. Dann wären nicht nur die Diskussionen um das 2% Ziel erledigt sondern auch die US-Autozölle vom Tisch. Langfristig muss Europa sich selbst verteidigen um sich nicht mehr erpressbar zu machen.  

Zusammengefasst ergeben sich heute eine schwache EZB, die dem Druck der Schuldenstaaten nachgibt (mit dem Vorwand des willkürlich gesetzten Inflationsziels; auf Basis einer ölpreisabhängigen Inflation), der fortdauernden Unsicherheit in Sachen Brexit und internationaler Handelskonflikte gepaart mit einem amerikanisch angeheizten Nahostkonflikt – was i. R. des Präsidentenwahlkampfes in den USA eher schlimmer als besser wird – werden wir wohl zunächst bis zum Herbst weiter niedrige Zinsen sehen. Trump und Johnson werden uns den Sommer / Herbst über immer wieder mit neuen Eskalationen überraschen. Vielleicht lernen wir aber auch zu erkennen, dass dem Getöse wenig Substanz folgt und die Einflüsse der Populisten werden nicht mehr zu ernst genommen.

Diese niedrigen Zinsen werden noch in 2019 an alle Sparer und auch Kleinanleger weitergereicht werden, zumal die EZB wohl auch ggf. den negativen Anlagezins von 0,4% noch auf minus 0,6% senken könnte. Das trifft dann vor allem die deutschen Bürger, die Spar-Weltmeister sind. Vor diesem Hintergrund und der Tatsache, dass vielen Bürgern niedrige Renten drohen und private Vorsorge mit Negativzinsen nicht möglich ist, könnte zu einem politischen Problem werden.  Wir haben wirtschaftlich lange und gut an den niedrigen Zinsen partizipiert. Aber der Leidensdruck der Sparer und Banken nimmt deutlich zu. Wird dann die Kanzlerin Druck auf die EZB und deren Zinspolitik ausüben? Auch um die eigene Macht / Wählerstimmen als auch die Akzeptanz der EU / EZB in Deutschland zu retten? Aber die Sparer sind Wähler – und die werden jetzt die Folgen höchstpersönlich zu spüren bekommen. Dies wird Wasser auf den Mühlen der extremen und europakritischen Parteien sein. 

„Lustigerweise“ könnte allerdings der Nahostkonflikt zu steigenden Ölpreisen und damit steigender Inflation führen. Ich bin gespannt ob die EZB dann weiterhin sklavisch ihrer Inflationsabhängigkeit folgt und dann die Zinsen anhebt. Oder ob sie dann umschwenkt um den Schuldenstaaten weiterhin billiges Geld zur Verfügung stellen zu können. Auch könnte ein Lösung des Brexit-Problems durch ein überraschendes Übereinkommen oder der Erkenntnis nach dem 31.10.2019, dass es ohne so heftige Schäden für die Eurozone ausgeht, auch hier die Unsicherheit aus dem Markt nehmen. Das sind aber per heute nur theoretische „Hoffnungsschimmer“ für eine Normalisierung der Politik und Geldpolitik.    

   

  

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Dr. Michael Piontek