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Heraklit

Ist der Tiefpunkt der Zinsentwicklung erreicht? Wie geht es weiter?

11.08.2016 Finance Keine Kommentare

Die Zinsen sind nach den letzten wesentlichen Ereignissen Ende Juni gefallen und haben sich jetzt auf dem erreichten niedrigen Niveau stabilisiert. Geht es noch weiter abwärts? oder steigt die Gefahr steigender Zinsen? Was sagen die Fakten?

Der 3-Monats-Euribor ist seit Jahresanfang von – 0,134% bis 01.06.2016 stetig auf – 0,261% gefallen. Der Beginn der Unternehmensanleihekäufe durch die EZB sowie vor allem die Brexit-Entscheidung haben dann den Zinssatz per 01.07.2016 auf unter -0,29% fallen lassen. Seitdem verharrt der 3-Monats-Euribor dort und scheint die – 0,30 % nicht durchbrechen zu können.

Der 10-Jahres-Swap (gegen den 6-Monats-Euribor) ist im ersten Quartal 2016 deutlich gefallen, im  zweiten Quartal relativ stabil geblieben und dann im Juli aufgrund der vorgenannten Ursachen ebenfalls deutlich zu sinken. Insgesamt hat der Zinssatz von Jahresbeginn bei rd. 1,0% auf jetzt 0,252% relativ 75% verloren.   

Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung und die Maßnahmen der EZB verunsichern die Märkte und sorgen für leichte Zinsen.

Das Inflationsziel der EZB ist weiterhin in weiter Ferne – daher ist seitens der EZB weiter mit einer lockeren Geldpolitik zu rechnen. Die Inflation könnte vor allem über den Ölpreis gesteigert werden, dieser ist im Juli aber wieder von 50 USD auf 42USD eingebrochen. Energie bleibt also billig.

Die wirtschaftliche Entwicklung in vielen Euro-Ländern macht wieder Sorgen. Es ist wieder meine „Rotwein-Truppe“ bestehend aus Spanien, Portugal, Griechenland und teilweise auch Frankreich und Italien, deren Staatsfinanzen und gesamtwirtschaftliche Entwicklung sich nicht in die richtige Richtung entwickeln. diese Länder sind daher auf günstige Staatsfinanzierungen am Kapitalmarkt angewiesen. Deutlich höhere Zinsen würden die Staaten schwer treffen und die wirtschaftliche Entwicklung zusätzlich erheblich belasten.

Politisch ist seit dem Brexit-Votum auch zu beachten, dass die EU und die Eurozone nicht als Problemfall von Bürgern und Wählern definiert wird. Daher sind große Einschnitte und Sparmaßnahmen nicht zu erwarten bzw. von der Kommission auch nicht gegen die Staaten durchzusetzen. Die Stabilität und der Fortbestand von EU und Euro sind hier höhere Ziele. Auch wird die wieder aufkommende Flüchtlingsdebatte bzw. -krise von Staaten wie Griechenland (vielleicht auch Italien) genutzt werden, und notwendige Reformen zu vertagen und finanzielle Unterstützung und weitere Hilfspakete einzufordern. Dadurch wird sich die wirtschaftliche Lage in den Problemstaaten nicht verbessern und der Druck günstiger Zinsen bleibt noch länger bzw. verstärkt vorhanden.

Die Bank of England so viel billiges Geld in den Markt geben wie nötig, um die wirtschaftlichen Folgen des Brexit-Votums zu lindern.

Die FED kündigt seit geraumer Zeit Zinserhöhungen an, die Wirtschaftsdaten lassen diese aber eigentlich nicht wirklich zu. Selbst wenn noch eine kleine Anhebung dieses Jahr kommt, dann wird sich dieser Effekt im Wechselkurs USD/EUR widerspiegeln und den USD gegen den Euro etwas steigen lassen.

Fazit: Die Zinsen sind aktuell an einem Tiefpunkt angelangt. Das bedeutet aber nur, dass aus den bekannten Ursachen derzeit keine weitere Zinsabsenkung zu erwarten ist. Neue geopolitische, verunsichernde Entwicklungen, neue Maßnahmen der EZB (welche könnten denn noch kommen?) könnten noch einen Effekt auslösen. Zinserhöhend könnten nur deutlich verbesserte Situationen bei den Problemstaaten sowie ein deutlicher (ölpreisgetriebener) Inflationsstand auslösen. Letzteres ist derzeit noch unwahrscheinlich. Die Zinsen werden also erst einmal abwartend auf dem niedrigen Niveau verharren. Auch wenn langfristig das Risiko höherer Zinsen größer ist als die Chance sinkender Zinsen, ist für die nächsten 12 Monate auf Basis der aktuellen Erkenntnisse keine wesentliche Veränderung zu erwarten. 

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