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3-Monats-Euribor negativ – was bedeutet dies jetzt konkret?

28.04.2015 Finance Keine Kommentare

Wenn Sie Finanzierungsvereinbarungen abgeschlossen haben, bei denen der 3-Mon<ts-Euribor als Preisbasis dient (zzgl. einer vereinbarten Marge), dann sollten Sie prüfen, ob Sie (wie viele andere) die Regelung unterschreiben haben, dass bei einem negativen referenzzins automatisch der Zinssatz „null“ gilt.

Diese „Null-Regelung“ haben viele Banken seit geraumer Zeit in die Verträge aufgenommen – bereits zu einer Zeit, da man sich einen negativen 3-Monats-Euribor gar nicht vorstellen konnte. Weder Bank noch Kunde. Daher wurde die Regelung oft stillschweigend unterschrieben.

Jetzt ist der „Ernstfall“ da und hat durchaus schmerzhafte Konsequenzen für die Kunden:

1. Die Bank kann mit dieser Regelung ihre Marge einseitig erhöhen. Jeder negative basispunkt erhöht die Marge der Banken in gleicher Höhe. Eine symetrische oder faire Regelung sieht anders aus.
2. Die Effektivität von Zinssicherungen geht verloren. Da Zinsswaps die „nullgrenze“ nicht kennen, entwickeln sich das abgesicherte Grundgeschäft und die Zinssicherungen nicht parallel. Dies bedeutet, dass die Zinssicherung ineffektiv werden. Damit werden die Marktwertänderungen (bei sinkenden Zinsen sind die Auswirkungen natürlich negativ -also Bewertungsverluste) werden nicht mehr wie beabsichtigt im Eigenkapital sondern in der G+V auszuweisen sein. Dies führt zu ungewollten und ungeplanten Ergebnisbelastungen in nicht unerheblicher Höhe.

Daher sollte jeder betroffene Kunde eine Änderung dieser einseitig die Banken begünstigende und den Kunden „Verluste“ bescherende  Regelung mit der Bank anstreben.

Ich bin gespannt wie sich die Banken verhalten werden. Der VdP soll sich damit im zweiten Quartal beschäftigen und zu einer einheitlichen Lösung kommen – ich bin gespannt.

Wenn die Banken ein Änderung der einseitigen Klausel ablehnen müssen Kunden mit Zinssicherungen sicherlich die Umschuldung zu andern Banken (die diese Regelung nicht vereinbaren) prüfen. Diese Banken gibt es – und sie erkennen sogar die Marktchance, die darin liegt.

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