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2017 – wie geht die Zinsentwicklung weiter? Für Kreditnehmer, die mit steigenden Zinsen rechnen: Swaption…

02.01.2017 Allgemein Keine Kommentare

2017 steht in Zeiten einer unsicheren wirtschaftlichen, politischen und sicherheitspolitischen Entwicklung wie kaum ein Jahr zuvor.

Aus 2016 beschäftigen uns u. a. noch der Brexit, der im Frühjahr offiziell starten soll, und die US-Wahl, die daraus folgenden Inthronisation von Donald Trump steht für den 20.01.2017 an. Beides Ereignisse, die man 12 Monate zuvor mehrheitlich noch nicht für möglich gehalten hat.

Beide Ereignisse haben das Potential, erhebliche Unsicherheit in die Märkte zu bringen. Die Wirtschaftspolitik von Trump ist noch in weiten teilen unklar, aber er will Amerikas Interessen massiv fördern – was natürlich zulässig ist. Protektionismus wird aber zu lasten anderer Staaten, insbesondere auch von Europa gehen. Schlechterer Marktzugang, Zölle und Handelsschranken werden die Wirtschaft hier belasten. Gegenläufig könnte eine Aufhebung der Rußlandsanktionen wirken, die unter Trump wahrscheinlicher werden. Die Wahl Trumps selbst hat die Märkte damals eher beflügelt und nur ganz kurz geschockt. Es bleibt also abzuwarten, wie die Märkte und die Wirtschaft nach der Amtsübernahme und den ersten Weichenstellungen reagiert. Das Ziehen des § 5 der Lissaboner Verträge und damit das offizielle Austrittsbegehren Großbritanniens kann weitere Belastungen für Europa mit sich bringen, schließlich geht ein Nettozahler, der einen großen Anteil am Binnenmarkt repräsentiert. Unabhängig von den konkreten Modalitäten wird der Binnenmarkt belastet, das wird auch das Wirtschaftswachstum schwächen.

Wie werden die steigenden US-Zinsen wirken. Nur über den Wechselkurs oder wird es auch eine Sogwirkung im Zinsbereich geben? Ohne besondere Überraschungen aus dem Brexit und der neuen US-Politik sollte die EZB die kurzfristigen Zinsen weiter niedrig halten – auch um die Staatsschuldenkrise beherrschbar zu halten. Die langfristigen Zinsen werden den US-Zinsen ein wenig folgen. Solange die EZB aber die kurzfristigen Zinsen stabil niedrig hält, wird es zwar eine Versteilung der Kurve geben – aber keine allgemein Aufwärtsbewegung der Zinsstrukturkurve.

Wenn Sie dennoch jetzt schon weiter in die Zukunft sichern wollen – weil sie von stark steigenden Zinsen ausgehen – dann gibt es neben der sofort beginnenden Zinssicherung auch Termingeschäfte für kommende Kreditbedarfe oder Zinssicherungsausläufe. Neben dem klassischen Forward-Swap z. B. auch die Swaption, auf die ich hier eingehen möchte: Eine Swaption ist eine Option auf den zukünftigen Abschluss eines Swap. Diese recht kostet eine Prämie, die jetzt bei Abschluss des Geschäftes direkt zu zahlen ist. Diesem Nachteil des direkten cash-Abflusses steht gegenüber, dass dadurch die Kontrahentenbank keine Kreditlinie für eventuellen Marktwertänderungen einräumen muss. Warum ist das so – wo doch später der Swap folgt? Es wird regelmäßig ein Cash-Settlement vereinbart, d. h. am Ende der Optionslaufzeit (Vorlaufzeit) wird die Differenz zwischen dem dann herrschenden Zinsniveau (auf Basis dem abgeschlossenen Vertragsvolumens) in Bar ausgeglichen. Sofern das Zinsniveau wie erwartet gestiegen ist, ist der Kontrakt Geld wert das dann ausbezahlt wird. Diesen betrag kann man dann in einen neuen Swap einzahlen und so den Marktzins auf das Niveau bei Abschluss der Swaption drücken. Im Ergebnis hat man dann den Swapzinssatz zum Abschlusszeitpunkt erreicht. Das Besicherungsthema des neuen Swaps ist dann mit der (neuen) Kontrahentenbank abzuklären. Sie ahnen, wenn das Zinsniveau gefallen ist, ist die Option nichts wert und verfällt. Man kann zumindest vermeiden, dann noch einen Swap zu den alten – dann überhöhten – Zinssätzen abzuschließen. Jetzt kommt aber die Praxis: Die Swaptions sind „teurer“ als Forward-Swaps. So zahlen Sie für eine Swaption für 10 Jahre Zinsbindung und einer Vorlaufzeit von einem Jahr 3,95% einmalig. Wenn man das durch 10 Jahre teilt, ergibt sich ein anualisiertes Aufgeld von 0,395% p.a. für die Laufzeit des Swap. Ein Forward-Swap kostet dagegen „nur“ 0,2% Aufpreis. Warum ist das so? Die Swaption ist ein klassisches Spekulationsgeschäft. Hier muss kein Grundgeschäft vorgehalten werden, hier werden keine Besicherungen geprüft oder abgeschlossen. Hier wird eingezahlt und auf steigende Zinsen spekuliert. Also eher ein Tool für „Spekulanten“ als für zinssichernde Immobilienanleger.

 

 

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